Laufen: Tag der Deutschen Einheit? In Laufen wird daraus ein Tag der doppelten Fußball-Prüfung. Am Samstag, 3. Oktober, gehört die Sportanlage an der Freilassinger Straße den Herren: Um 15 Uhr fordert die erste Mannschaft des SV Laufen mit dem FC Hammerau ausgerechnet den Tabellenführer der Kreisklasse 4. Kaum ist dieses Duell abgepfiffen, geht es um 17 Uhr mit dem nächsten Spitzenspiel weiter. Dann empfängt der noch ungeschlagene Tabellenführer SV Laufen II den Tabellendritten DJK Otting II. Zwei Spiele, vier Mannschaften aus den oberen beziehungsweise hoch ambitionierten Bereichen ihrer Ligen – und vor allem zwei völlig unterschiedliche Laufener Ausgangslagen. Während die Erste nach zwei schmerzhaften Niederlagen dringend wieder Stabilität und Punkte braucht, schwimmt die Zweite auf einer Erfolgswelle. Dieser Heimspieltag kann für den weiteren Herbst richtungsweisend werden.
Bei der ersten Mannschaft ist die Ausgangslage so spannend, weil die nackte Tabelle nur einen Teil der Geschichte erzählt. Nach sieben Spielen steht Laufen mit neun Punkten und 20:14 Toren auf Rang acht. Der FC Hammerau reist dagegen als Spitzenreiter mit 18 Punkten und einer beeindruckenden Bilanz von 24:6 Toren an. Sechs Siege aus sieben Partien, nur eine Niederlage und kein einziges Unentschieden: Hammerau hat sich bislang als die Mannschaft erwiesen, die enge Spiele ebenso gewinnen kann wie Partien, in denen die Offensive ins Rollen kommt. Der Unterschied wird noch deutlicher, wenn man die Zahlen herunterbricht. Laufen erzielt im Schnitt knapp 2,9 Tore pro Spiel, kassiert aber inzwischen genau zwei Gegentreffer pro Partie. Hammerau kommt auf rund 3,4 eigene Treffer und lässt nicht einmal einen Gegentreffer pro Begegnung zu. Rein statistisch trifft also eine sehr gefährliche Laufener Offensive auf die bislang deutlich stabilere Defensive des Tabellenführers. Genau darin dürfte der Schlüssel dieses Nachmittags liegen: Laufen muss nicht zwangsläufig mehr Chancen produzieren als Hammerau – die Salzachstädter müssen ihre guten Phasen diesmal nur konsequent über die komplette Spielzeit tragen. Denn gerade die vergangenen beiden Wochen haben gezeigt, wie schnell sich die Stimmung drehen kann. Nach fünf Spieltagen war der SVL noch ungeschlagen. Zwei Siege, drei Unentschieden und 16:5 Tore bedeuteten einen ausgesprochen starken Saisonauftakt. Dann kam das 1:5 zu Hause gegen die DJK Weildorf, bei dem die Laufener Defensive nicht zu oft, aber dann effektiv in Bedrängnis kam. Eine Woche später schien die Reaktion bereits perfekt: Beim SV Kirchanschöring II führte Laufen nach 57 Minuten mit 3:0. Gabriel Öllerer hatte doppelt getroffen, Sebastian Hager nachgelegt. Doch anschließend brach die zuvor so kontrollierte Partie auseinander. Kirchanschöring erzielte innerhalb einer guten halben Stunde vier Treffer und gewann in der Nachspielzeit tatsächlich noch mit 4:3. Damit hat Laufen in seinen ersten fünf Saisonspielen nur fünf Gegentreffer kassiert – in den vergangenen beiden Begegnungen waren es plötzlich neun. Genau diese Zahl dürfte Trainer Andreas Brandl in der Vorbereitung auf Hammerau beschäftigen. Denn gegen den Tabellenführer wird ein ähnlicher Kontrollverlust brutal bestraft werden. Der SVL hat bewiesen, dass er Fußball spielen, Chancen herausarbeiten und auch stärkere Mannschaften unter Druck setzen kann. Das 3:0 nach knapp einer Stunde in Kirchanschöring war kein Zufallsprodukt. Problematisch war vielmehr, was danach geschah: Abstände wurden größer, zweite Bälle gingen verloren, das Spiel wurde hektischer und aus einer souveränen Führung wurde eine Partie, die Laufen nicht mehr beruhigen konnte. Für Samstag lautet die wichtigste Aufgabe deshalb vermutlich nicht: Wie knackt man Hammerau? Sondern zunächst: Wie hält man die eigene Ordnung über 90 Minuten? Der FC Hammerau dürfte nämlich genau auf solche Phasen warten. Die Gäste haben nicht nur 24 Tore erzielt, sondern erst sechs kassiert. Besonders bemerkenswert war zuletzt das 2:0 gegen den damaligen Spitzenreiter TSV Petting. Lange stand es 0:0, doch Hammerau blieb geduldig und schlug in der Schlussphase durch Julian Jung und Noah Wiesbacher zu. Das ist ein Merkmal eines Spitzenteams: Es muss nicht 90 Minuten dominieren, um ein Spiel zu gewinnen. Für Laufen bedeutet das: Selbst eine starke erste Stunde garantiert gar nichts. Ein Fehlpass, eine schlecht abgesicherte Offensivaktion oder ein verlorener Zweikampf kann gegen diesen Gegner reichen. Offensiv besitzt der SVL allerdings einige Waffen, die Hammerau beschäftigen werden: Und diese heißen nicht nur Gabriel Öllerer. Wenn Laufen es schafft, nicht nur Öllerer zu suchen, sondern über seine Mitspieler und aus dem nachrückenden Mittelfeld das Spiel in Bewegung zu bringen, kann auch die beste Abwehr der Liga Probleme bekommen. Das gilt gerade deshalb, weil Laufen zu Hause nicht gezwungen sein sollte, sich komplett zurückzuziehen. Die Mannschaft hat genügend Offensivqualität, um Hammerau selbst Aufgaben zu stellen. Interessant ist auch der direkte Vergleich. In der vergangenen Spielzeit waren beide Begegnungen echte Ein-Tor-Spiele. Laufen gewann in Hammerau mit 2:1, im Rückspiel setzte sich der "Club" an der Freilassinger Straße mit 3:2 durch. Dabei führte Hammerau bereits mit 3:0, ehe Öllerer und Draak Laufen noch einmal heranbrachten. Das ist durchaus ein Fingerzeig: Hammerau war zuletzt zwar häufig stärker positioniert, aber von einem Angstgegner kann keine Rede sein. Laufen weiß, dass es diesen Gegner schlagen kann. Unsere Prognose für die Erste fällt deshalb etwas optimistischer aus, als es der Tabellenstand zunächst vermuten lässt. Hammerau ist aufgrund der bisherigen Saisonleistung Favorit, daran gibt es wenig zu diskutieren. Aber Laufen besitzt genügend Offensivkraft, Heimvorteil und auch die entsprechende Vorgeschichte in diesem Duell, um dem Spitzenreiter weh zu tun. Entscheidend wird sein, ob der SVL diesmal nach einem Rückschlag ruhig bleibt und nicht wieder in eine hektische Partie gezogen wird. Unser Tipp: 2:2. Gelingt Laufen ein ähnlich konzentrierter Auftritt wie in den ersten 60 Minuten von Kirchanschöring, ist sogar der Heimsieg drin. Wird das Spiel dagegen wild und offen, steigen Hammeraus Chancen erheblich.
Und danach? Dann wird es keineswegs gemütlicher. Um 17 Uhr betritt nämlich eine Laufener Mannschaft den Platz, die aktuell mit einer ganz anderen Brust auftreten darf. Der SV Laufen II ist Tabellenführer der C-Klasse 7 – ungeschlagen und mit der stärksten bisherigen Gesamtbilanz der Staffel. Nach fünf Spielen stehen vier Siege, ein Unentschieden, 13 Punkte und 16:3 Tore. Die DJK Otting II folgt mit zehn Punkten aus fünf Begegnungen auf Rang drei und besitzt mit 10:5 ebenfalls eine sehr ordentliche Bilanz. Was die Laufener Reserve bislang besonders auszeichnet, ist ihre Balance. 16 eigene Treffer bedeuten 3,2 Tore pro Partie, gleichzeitig kassierte die Mannschaft gerade einmal 0,6 Gegentore im Schnitt. Das ist für eine Reservemannschaft in dieser frühen Saisonphase bemerkenswert. Noch beeindruckender ist die Entwicklung seit dem Auftakt: Nach dem 1:1 beim TSV Siegsdorf III folgten vier Siege hintereinander. Taching II wurde 2:0 geschlagen, in Vachendorf drehte Laufen einen 0:1-Pausenrückstand noch in einen furiosen 6:1-Erfolg, anschließend wurde Nußdorf II mit 5:0 abgefertigt. Zuletzt bestand die Mannschaft dann auch den Charaktertest beim direkten Verfolger Surberg II und gewann durch einen späten Treffer von Lucas Wendelberger mit 2:1. Das bedeutet: Laufen II hat in den vergangenen vier Ligaspielen 15:2 Tore erzielt. Noch wichtiger als diese Zahlen ist aber die Art der Siege. Gegen Vachendorf zeigte die Mannschaft, dass sie einen Rückstand drehen kann. Gegen Nußdorf bewies sie, dass sie einen Gegner dominieren kann. Und gegen Surberg zeigte sie zuletzt, dass sie auch ein enges Spitzenspiel spät für sich entscheiden kann. Genau das unterscheidet einen guten Saisonstart von einer Mannschaft, die möglicherweise tatsächlich oben bleiben kann. Otting wird allerdings der nächste echte Härtetest. Der Absteiger war schon vor Saisonbeginn als eine der Mannschaften eingeschätzt worden, die in der C-Klasse 7 vorne mitspielen können. Nach einem etwas holprigen Start hat sich die DJK stabilisiert. Beim 3:1 gegen Marquartstein fügte Otting einem starken Konkurrenten dessen erste Saisonniederlage zu. Zuletzt folgte ein 2:0 gegen Tengling, bei dem Kilian Sailer bereits nach 25 Minuten einen Doppelpack geschnürt hatte. Insgesamt hat Otting erst fünf Gegentreffer kassiert. Das macht die Partie taktisch besonders interessant. Laufen ist offensiv bislang spektakulärer, Otting dagegen dürfte kaum nach Laufen kommen und freiwillig ein offenes Scheibenschießen veranstalten. Die Gäste wissen, dass sie mit einem Sieg bis auf Augenhöhe mit dem Tabellenführer kommen können. Für den SVL II bietet sich dagegen die Gelegenheit, einen direkten Verfolger früh abzuschütteln. Bei einem Heimsieg würde der Abstand auf Otting bereits auf sechs Punkte anwachsen. Für Anfang Oktober wäre das ein durchaus stattliches Polster. Laufen sollte deshalb nicht den Fehler machen, aufgrund der bisherigen Torflut zu ungeduldig zu werden. Gerade gegen eine Defensive, die erst fünf Gegentore zugelassen hat, kann es eine Stunde lang eng bleiben. Die Reserve hat aber zuletzt gezeigt, dass sie Geduld besitzt. In Surberg fiel der Siegtreffer erst in der 86. Minute. In Vachendorf lag man zur Pause sogar zurück und erzielte anschließend sechs Tore. Diese Mannschaft scheint derzeit nicht darauf angewiesen zu sein, schon nach 20 Minuten mit 2:0 zu führen. Das Duell könnte deshalb über genau jene Tugenden entschieden werden, die der SVL II bislang ausgezeichnet haben: defensive Ordnung, Ruhe und die Fähigkeit, über Wechsel auch spät noch Qualität auf den Platz zu bringen. Spieler wie Andre Kurre, Simon Maier, Denis Lohwieser, David Cienskowski und Lucas Wendelberger haben in den vergangenen Wochen bereits entscheidende Aktionen geliefert. Es ist nicht ein einzelner Torjäger, von dem alles abhängt – und genau das macht die Laufener Reserve momentan schwer auszurechnen. Unsere Prognose für das Abendspiel: 2:1 für den SV Laufen II. Otting ist stark genug, um dem Spitzenreiter die bislang vielleicht anspruchsvollste Heimaufgabe zu stellen. Doch Laufens Kombination aus Form, Heimvorteil und defensiver Stabilität gibt knapp den Ausschlag. Ein früher Rückstand wäre kein Weltuntergang; ein offener Schlagabtausch wäre dagegen unnötig. Bleibt die Mannschaft bei ihrer bisherigen Linie, stehen die Chancen ausgezeichnet, dass Platz eins auch nach dem Feiertag rot-weiß bleibt.
So besitzt dieser 3. Oktober eigentlich alles, was ein großer Amateurfußball-Nachmittag braucht. Um 15 Uhr kämpft die Erste gegen den Tabellenführer darum, zwei bittere Wochen abzuschütteln. Um 17 Uhr kämpft die Zweite als Tabellenführer darum, ihre Erfolgsserie auszubauen. Die eine Mannschaft braucht die Trendwende, die andere will ihren Lauf verlängern. Sollte die Erste Hammerau tatsächlich einen oder sogar drei Punkte entreißen und die Reserve anschließend Otting schlagen, könnte aus dem Tag der Deutschen Einheit an der Freilassinger Straße tatsächlich ein ziemlich besonderer Laufener Fußball-Feiertag werden.