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SV Laufen

München: Wirbt der Bayerische Fußball-Verband im täglichen Politbetrieb nicht laut genug für die Nöte des Amateurfußballs? Und: Kann ein verzögerter Re-Start gar im Interesse des Verbands liegen? Diese Fragen stellte die Passauer Neue Presse im Bericht "Die ersten spielen schon Pokal" (Freitagsausgabe) – und an den Verband selbst. Dies sei völlig "abwegig", so der Kernsatz des Dementis von BFV-Seite. Am späten Samstagabend meldete sich dann der Präsident persönlich zu Wort: Rainer Koch verteidigte den Verband – und erklärte, warum die Saisonfortsetzung im September auf wackeligen Beinen stehe. Von einem praktikablen Spielbetrieb könne in Bayern "aktuell leider bei weitem noch keine Rede sein", bedauert der BFV-Boss.

Es ist kurz vor 23 Uhr, als Koch den Dialog mit den Amateuren sucht, wie er es auch auf Facebook täglich macht. Der BFV-Vorsitzende äußert seine Meinung in einem Kommentar auf heimatsport.de, nachdem er kurz zuvor in seiner Funktion als DFB-Vizepräsident an der virtuellen Konferenz der Spitzenverbände des Deutschen Olympischen Sportbunds teilgenommen hatte.

Koch schreibt über drei große Fragen, welche noch zu klären seien: wann die Regierung Training mit Kontakt erlaube, wie ein Spielbetrieb mit Hygienekonzept aussehen könne und und welche Kosten das für die Vereine verursachen werde. Fundamental gilt: Die Gesundheit geht vor – und Geisterspiele wird’s nicht geben.

Eingangs seiner Erläuterung weist Koch, ganz der Jurist, auf die Gesetzeslage hin: allein die bayerische Staatsregierung entscheide über Lockerungen wie jene, welche am heutigen Montag in Kraft getreten sind: Die Obergrenzen für Indoor- und Outdoor-Sport im Freien aufgehoben (zuvor 20 Teilnehmer) und der Lehrgangsbetrieb darf aufgenommen werden. Aber: "Es reicht nicht aus, dass Training (hoffentlich jetzt sehr bald) und Wettkämpfe im Amateurfußball von den (...) Behörden wieder grundsätzlich erlaubt werden, denn Hygienevorschriften und Sicherheitsmaßnahmen werden uns noch lange begleiten. Die 4500 bayerischen Amateurvereine müssen das alles auch schaffen und bezahlen können", merkt der Verbandspräsident an. "Wenn es wieder losgeht, haben wir 12000 bis 14000 Fußballspiele an einem einzigen Wochenende!", so Koch. Der BFV müsse deshalb nun ein Konzept erarbeiten, das für die Vereine machbar, umsetzbar und finanzierbar sei. Dieses müsse dann der Regierung und den Kommunen vorgeschlagen werden, um so die Voraussetzungen für einen praktikablen Spielbetrieb zu schaffen.

Gerade die Frage nach den Kosten der Umsetzung eines Hygienekonzepts treibt den BFV um. Es "könnte ein riesiges Problem für die Vereine werden", warnt Koch. Über die Wiederaufnahme des Spielbetriebs entscheiden also nicht mehr nur Infektionszahlen und Kabinettssitzungen: Es ist jetzt auch eine Frage des Geldes. Mit ausgefallenen Festen, Stillstand auf den Plätzen, ausbleibenden Kioskverkäufen etc. müssen die Klubs ohnehin bereits große Einnahmeausfälle verkraften, entsprechend vor- und umsichtig agiert der Verband in dieser Frage. In seinen Planungen fahre der BFV deshalb "doppelgleisig", schreibt Koch: Man bereite sich mit Hochdruck auf einen Beginn des Spielbetriebs am 1. September vor, will aber andererseits auch flexibel bleiben, falls der Freistaat Bayern Fußballspiele zu diesem Zeitpunkt nicht erlaube oder die Hygiene-Anforderungen und / oder Zuschauerbeschränkungen zu groß sein sollten.

Am Schluss seines Kommentars versucht BFV-Kurs-Verteidiger Koch, den Ball aus der Gefahrenzone zu schlagen – nachdem er vor wenigen Tagen erstmals deutlichere Lockerungen gefordert und damit von der auferlegten Zurückhaltung abgewichen war: Es sei "abenteuerlich, wenn aus dieser nur vernünftigen Haltung der Verdacht abgeleitet wird, der BFV würde den Re-Start des Amateurfußballs verzögern wollen."



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